So ein Tag

Puh – heute ist kein guter Tag.

Zwar ist Samstag und die Sonne scheint, aber ich habe mir eine fiese Erkältung eingefangen, und darüber hinaus Gewissensbisse.

Der Arzt hat mir eine Salbe verschrieben, die ich nun gestern das erste Mal benutzt habe. Ein Blick in die Packungsbeilage bestätigte mir, was ich insgeheim natürlich längst erwartet hatte: an Tieren getestet.

Ich weiß gar nicht recht, warum ich nun so schockiert bin – sind nicht die allermeisten Medikamente  an Tieren getestet worden? Ich habe das doch gewusst.

Der Ärzte gegen Tierversuche e.V. sagt: „Wenn es aber unumgänglich ist, sollten die Tierversuche, die zuvor für dieses Produkt durchgeführt worden sind, Sie nicht von der Einnahme abhalten. Es würde keinem einzigen Tier helfen, auf ein solches Produkt zu verzichten. […] So gut wie alle Medikamente, Behandlungsmethoden, Operationstechniken usw. sind im Tierversuch getestet worden. […] Bei der Ernährung, bei Kosmetika haben wir die Möglichkeit auf Tierqualprodukte zu verzichten, bei Medikamenten, Operationen und anderen medizinischen Maßnahmen haben wir diese Wahl kaum oder gar nicht.“ (Quelle)

Dennoch fühle ich mich schlecht. Nun habe ich tagelang strikt keine Produkte mehr gekauft, die durch die Ausbeutung von Tieren entstanden sind, und dann schmiere ich mir eine Salbe auf die Haut, deren Packungsbeilage sich nicht einmal schämt, die durchgeführten Tierversuche zuzugeben. Als würde es den Konsumenten beruhigen, dass das Medikament, das er im Begriff ist zu verwenden, ausgiebig an hilflosen Lebewesen ausprobiert wurde. Ist das so? Berührt es die Mehrheit der Menschheit nicht, wenn da sowas steht?
Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr erinnern, wie ich vorher auf sowas reagiert habe – aber ich kann mich auch nicht entsinnen, sowas jemals zuvor in einem Beipackzettel gelesen zu haben.
Aber alle sind doch gegen Tierversuche, oder? Tierversuche und Pelze finden bei Weitem nicht die gleiche Akzeptanz wie Fleisch-, Eier- und Milchproduktion, scheint mir. Trotzdem steht das da drauf. Sogar ganz unverhohlen, dass der Wirkstoff an schwangeren Tieren getestet wurde und in stark erhöhter Konzentration Schäden verursacht hat.

Ich frage mich, wo sie den Tieren diese Salbe hingeschmiert haben. In die Augen vermutlich, in den Mund, auf offene Wunden. Das ist schockierend. Und trotzdem habe ich sie benutzt. Ich habe auch gedacht: „Ich brauche sie ja.“
Trotzdem, die Zweifel bleiben: Warum sollten meine körperlichen Gebrechen das körperliche und psychische Leid eines Tieres rechtfertigen? Wieso ist mir meine Gesundheit mehr wert als die eines Tieres?

Und wieder die Frage: Wieso stelle ich mir solche Fragen erst jetzt?

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2 Kommentare zu “So ein Tag

  1. Hallo,
    ich kann Dich so gut verstehen und diese Gedankengänge total nachvollziehen. Dennoch bleibt es manchmal unumgänglich, dass man Medikamente einnehmen muss…..Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung…Und ja, man stellt sich diese Fragen erst jetzt, vorher vielleicht, aber nicht wirklich…..Dennoch können wir immer Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen und alles möglichste versuchen, es besser zu machen ;-)
    Ich wünsche Dir trotz dieser vielen Gedanken, eine gute Genesung!! …
    LG
    Emmi

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