Ohnmacht

Jetzt ist gerade so ein Moment, in dem ich mich komplett hilflos fühle.
Ich versuche, mich so gut wie möglich zu informieren, doch jedes Mal, wenn ich Dokus zum Thema Massentierhaltung anschaue oder etwas darüber lese, überkommt mich dieses Gefühl, nichts bewirken zu können, und dass sich niemals etwas ändern wird.

Zwar fühle ich mich von meinem Umfeld zwar unterstützt und empfinde, dass sie meine Entscheidung, vegan zu leben, akzeptieren. So hat meine Schwägerin sehr akribisch drauf geachtet hat, dass genügend vegane Tellerchen auf ihrem italienischen Geburtstagsbuffet stehen und hat sich mehrfach erkundigt, ob ich auch satt werden würde. Oder mein Freund, der sich geduldig jedes neue Rezept anhört und mit mir ausprobiert, und häufig sicherstellt, dass ich nicht das Gefühl habe, er würde mir etwas „voressen“. Meine Schwester, die meinen Blog, trotz anfänglicher Skepsis, verfolgt und kommentiert. Meine Mutter, die sich gerne jede Idee anhört und offen mit mir darüber diskutiert. Oder meine Schwiegermutter, die viele Fragen stellt und sich gerne alles erklären lässt.

Und dennoch; erst am Sonntag wurde meine Antwort, ich mache das aus ethischen Gründen, mit verständnislosen Schweigen bedacht, und ich musste jemandem erklären, dass der Verzehr vor zerquetschen Läusen keineswegs vegan sei. Ständig hört man: „Das könnte ich ja nie.“ – dabei hat es niemals jemand versucht.
Aus allen Richtungen wird gewarnt: vor Cholesterin, vor Umweltvergiftung, vor Medikamenten, vor der Ausbeutung hilfloser Kleinbauern in Entwicklungsländern, vor nitratverseuchtem Grundwasser. Deutschland ist bei Europas Fleischproduktion ganz oben mit dabei. Geflügelmastbetriebe, in denen das Schlachthuhn keine zwei Monate lebt, schieben Pro­phy­la­xe vor, um das Wachstum Tiere mit Antibiotika zu dopen. Unsachgemäße Schlachtungen, die großes Leid verursachen, sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Niemand hat den Schäden, die die Massentierhaltung anrichtet, auch nur ein schlüssiges Argument entgegenzusetzen, doch die meisten Menschen wollen die Wahrheit auch gar nicht so genau wissen. :-(
Man kann es ihnen ja nicht einmal verübeln, denn wo wäre die Menscheit heute, wenn sie nicht im Stande wäre, ein großes Maß an Grauen zu verdrängen und damit zu leben?
Ich habe es ja so viele Jahre selbst nicht anders gemacht.
Aber jetzt, wo ich mich damit beschäftige, lässt es mich in manchen Moment einfach verzweifeln. Menschen verhungern, weil wir die Millionen Nutztiere mit billigem Soja füttern wollen. Die Meere werden zerstört, weil sogenannte nachhaltige Fischerei Dutzende Tierarten als „Beifang“ tötet und den Lebensraum der Lebewesen mit ihren Netzen zerstört. Hühner, Schweine, Rinder, fristen ihr trauriges Dasein in riesigen Hallen, einzig und allein, um von uns gegessen zu werden.
Das ist einfach so schlimm.

Immer wieder höre ich, „vegan ist in“.
Wenn es jemals einen wünschenswerten Trend gab, dann ist es dieser.

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2 Kommentare zu “Ohnmacht

  1. Hey!
    Ich kann dieses Gefühl sehr gut verstehen, dass es allgemein recht aussichtslos aussieht, den Großteil der Menschen von der meiner Meinung nach eindeutig richtigen veganen Lebensweise zu überzeugen. Allerdings sollte man versuchen, sich an den kleinen Errungenschaften zu freuen; meine fast 50-jährige Mutter und meine 16-jährige Schwester leben seit meiner Umstellung zumindest vegetarisch (mein Vater muss sich sein Fleisch mittlerweile selbst kaufen). Und das von einem Trend gesprochen wird, deutet ja auch darauf, dass doch eine größere Umwandlung stattfindet. Immerhin bieten sogar Discounter wie netto, aldi etc schon Tofu u.ä. an.

    Ich würde die Leute auch manchmal am liebsten schütteln; ich habe noch niemanden getroffen, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt hat und trotzdem noch Fleisch bzw. tierische Produkte konsumiert. Und ich kann die Antwort „Ich kaufe ja nur gutes Fleisch“ auch nicht mehr hören. Ich befinde mich ständig im Zwiespalt, da ich auf der einen Seite weiß, dass ich niemandem etwas vorschreiben kann und auf der anderen denke ich mir, dass dieses Thema viel zu wichtig ist, um jeden sein Ding weiter machen zu lassen. Das macht einen natürlich schnell zum Buhmann, wenn man nicht (heuchlerischerweise in meinem Fall) immer erwähnt, dass man den anderen in seiner Entscheidung akzeptiert. Ständig wird sich aufgeregt über militante Veganer, die Leuten ihre Meinung aufdrücken wollen. Meine Theorie ist eher, dass sich viele Leute einfach sofort auf den Schlips getreten fühlen, sobald es um das Thema geht und anstatt ihren Ärger auf sich selbst auf den „Öko“ vor ihnen projizieren. Wie man merkt, werde ich durchaus emotional bei dem Thema und hör jetzt mal auf zu haten.

    Anyway, eigentlich wollte ich dich mit ein paar ehrlichen und wenigstens ein bisschen hoffnungsvollen Worten in deinem Tun unterstützen und ausdrücklich deine Selbstreflexivität loben.
    Liebe Grüße,
    Lotta

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  2. Liebe Lotta,
    tausend Dank für deinen Kommentar.
    Jedes deiner Worte spricht mir ganz und gar aus der Seele, und eigentlich gäbe es gar nichts mehr hinzuzufügen. Ich möchte aber dennoch etwas antworten.

    Ich kann dein Gefühl beim Gespräch mit anderen über die vegane Lebensweise total nachvollziehen.
    Selbst (oder gerade?) bei Leuten, die dem Thema recht offen gegenüber stehen (meine Mutter ist da zum Beispiel – und zum Glück!) so ein Mensch, zwinge ich mich häufig dazu, zu erwähnen, dass ich die Ernährungsweise des jeweils anderen akzeptiere, weil ich mit zu starkem Gegenwind keinen Widerwillen erzeugen will. Viele Leute in meinem Umfeld interessieren sich sehr für mein neues Essen (und was damit zusammenhängt), und nehmen große Rücksicht auf mich. Das möchte ich ihnen nicht damit vergelten, dass ich sie kritisiere. Dass ich in Wahrheit aber schon gerne sagen würde „Bitte, bitte, lies dir dies hier durch, schau dir das hier an! Und dann sag mir, dass du auch diese riesen Erleuchtung hattest und nie wieder ein durch unermessliches Tierleid entstandenes Produkt konsumieren wirst!!“, das muss ich mir dann einfach weiter denken.
    Selbst die empathischsten Menschen können sich durch ihre Erziehung, ihre Gewohnheit und das Gefühl, dass sie doch nur machen, was ihnen ihr Leben lang als richtig und gut zu verstehen gegeben wurde, vor dem verschließen, was meiner Ansicht nach unleugbar ist – nämlich dass der Verzehr von tierischen Produkten in einer reichen Gesellschaft wie unserer grausam und falsch und absolut überflüssig ist.

    Ich hätte nie gedacht, dass mein Sinneswandel (für den ich unendlich dankbar bin), mich mal in ein solches mentales Dilemma stürzen würde – denn ich bin kein arroganter Mensch, und ich mag Arroganz auch nicht, doch gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, ich würde etwas wissen, dass die meisten anderen Leute nicht wissen, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, ohne andere zu verletzen oder auf eine Art und Weise zu kritisieren, die sie am Ende gegen mich wendet.
    Es ist schwierig. All das, was ich als kompliziert erwartet hatte – nämlich das, was von Außenstehenden oft als „Verzicht“ bezeichnet wird -, fällt mir leicht, während der mentale Aspekt in eine ganz unerwartete Richtung zu einer hohen Hürde geworden ist.
    Aber ich finde, das lohnt sich trotzdem.

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